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Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie
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Praehistorie der AGA

Masaki Watanabe’s Reise durch Deutschland und die Schweiz 1957
Die erste Berührung mit der japanischen Entwicklung
von Christoph Kieser

 

 Nach dem 2. Weltkrieg hatte M. Watanabe im Teishin Hospital, dem Krankenhaus des Japanischen Postministeriums in Tokyo, die Arthroskopie durch wiederholte Verbesserungen der Endoskope zur klinischen Anwendung gebracht. Unterstützt von Kenji Takagi, dem emeritierten Ordinarius für Orthopädie an der Universität Tokyo, hatte er eine Erfahrung von über 1000 diagnostischen Arthroskopien erworben und brannte darauf, sie in der westlichen Hemisphäre zu präsentieren und mit den dortigen Methoden zu vergleichen. 1957 bekam er die Erlaubnis, am 7. SICOT-Kongresses in Barcelona teilzunehmen und eine Bildungsreise durch Zentraleuropa und USA zu machen.
 
 Sein erstes Ziel war Deutschland. Mit einer Gruppe japanischer Aerzte flog er über den Pol nach Europa, um vom 1.-7. September am Deutschen Therapiekongress in Karlsruhe teilzunehmen. In seinem Gepäck hatte er zwei kurze Filme zur Arthroskopie und einige Exemplare der ersten Auflage seines „Atlas of Arthroscopy“.  An der von über 5000 Aerzten besuchten Fortbildungsveranstaltung zeigte er die Filme im Programm der Rheumatologen sowie an einer, der japanischen Medizin gewidmeten Sondersitzung. Er hielt dazu ein kurzes Referat in deutscher Sprache, hatte er doch vor dem Krieg Deutsch lernen müssen. Den Zuhörern erschienen die Referate der japanischen Kollegen, so auch Watanabe’s Filme, nicht ganz glaubhaft. Eine Ausnahme bildete der bekannte Sport¬mediziner Frowalt Heiss aus Stuttgart-Bad Cannstatt. Er war einer der wenigen Deutschen, die – mit dem von E. Vaubel 1938 entwickelten und von R. Wolf  gebauten Endoskop – die Arthroskopie noch praktizierten. Er war begeistert von Watanabe’s endoskopischen Bildern. Er lud ihn ein nach Stuttgart, zeigte ihm die Sportklinik in Cannstatt und fuhr mit ihm an den Bodensee, um mit ihm über gemeinsame Erfahrungen mit der neuen Methode zu diskutieren.   
 
 Die folgende Woche besuchte M. Watanabe den 45. Kongress der Deutschen Orthopädi¬schen Gesellschaft, der vom 10.- 13. September 1957 in Köln stattfand. Durch seinen Lehrer  Kenji Takagi hatte er eine gewisse Verbindung zu den deutschen Orthopäden. Takagi war  seit 1940 Ehrenmitglied ihrer Gesellschaft, vermutlich nicht wegen seiner grundlegenden Untersuchungen zur Arthroskopie, sondern aus politischen Motiven. M. Watanabe bekam Gelegenheit, seine Filme vorzuführen und lernte die Mitglieder des Vorstandes kennen, u.a. Hans Debrunner (sen.) aus Zürich und  Max Lange aus München. Letzterer lud ihn ein, seine Klinik zur besuchen, was zum Bedauern Watanabe’s wegen seiner weiteren Reisepläne nicht möglich war.  -  Von den wenigen, die an Endoskopie interessiert waren, wurden seine endoskopischen Photoaufnahmen bewundert. Darunter auch von R. Suckert, dem jungen Sportchirurgen aus Linz, und Schüler von F. Heiss in Stuttgart, der unmittelbar nach Watanabe einen Film über Knieverletzungen zeigte. Er sollte der erste sein, der 1960, 15 Jahre nach dem Krieg, wieder eine deutschsprachige Arbeit über Arthroskopie publizierte.

 

 Von Köln flog Watanabe nach Barcelona an den 7. Internationalen SICOT-Kongress, der vom 16.- 21. September 1957 tagte. Er hielt dort keine Referat, zeigte jedoch an zwei Nachmittagen seine Filme über Arthroskopie. Anschliessend machte er kurze Touren durch Teile von Spanien und Italien.

 

 Vom 25.9. – 1.10.1957 reiste Watanabe durch die Schweiz. Hier besuchte er rheumatologische Kliniken, am 25. 9.  im Universitätsspitals Genf, am 1.10. im Zürcher Universitätsspitals. Die Rheumatologen H. Faller in Genf und der Radiologe A. Böni in Zürich brachten seiner Methode grösseres Interesse ent¬gegen als die Orthopäden. Beide zeigten in Fortbildungen seine Filme und diskutierten seinen Atlas. Obschon selber Orthopäde befasste sich Watanabe arthroskopisch schwergewichtig mit rheumatologischen Problemen. Sein Atlas richtete sich nach der Klassifikation der  „American Rheumatism Association“, und Trauma-folgen nahmen darin nur einen kleinen Platz ein. In der Diagnostik der Gelenkentzündungen  und – ergüsse schien damals die Synovialbiopsie eine Lösung zu bringen, und diese wurde durch die Arthroskopie möglich gemacht. -  Watanabe fragte auch nach den deutsch-sprachigen Pionieren. Er hatte sich bereits in Köln nach Ernst Vaubel erkundigt, dessen deutschsprachige Monographie er besass, und suchte auch in der Schweiz mehrmals nach Eugen Bircher, dessen  Arbeiten er gut kannte. Dieser war 1956, ein Jahr vor seinem Besuch, in Aarau gestorben. Watanabe  wunderte sich, dass die Erinnerung an diesen Pionier und seine arthroskopischen Versuche bereits verblasst waren und in der Schweiz niemand mehr arthroskopierte.


Nach der Schweiz reiste Watanabe über Paris und London in die Vereinigten Staaten und kehrte Ende November 1957 nach längerem Aufenthalt in New York nach Tokyo zurück. Er war vom unverbindlichen, meist schwachen Echo auf die Demonstration seiner Methode enttäuscht. Es sollte noch 15 Jahre dauern, bis sie in der westlichen Welt, und auch im deutsch¬sprachigen Gebiet der späteren AGA,  breite Anerkennung finden würde.


  1 Watanabe M, Takeda S, Ikeuchi H. Atlas of Arthroscopy 1. Aufl., Postal Sevices Ministry. Tokyo 1957
  2 Watanabe M. Arthroscopy in Japan and reaction from the world. Japan Medical Journal 1958, Nr. 1794.
  3 Bericht über die 9. Deutsche Therapiewoche in Karlsruhe.
     Münchner med. Wochenschrift 1957;99 (33):1389-1403
  4 Lange M. Verhandlungen Deutsche Orthop Gesellschaft, 45. Kongress. Ferdinand Enke. Stuttgart 1958


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