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Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie
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Rückblick
Gelenkssymposium in Villingen 23.und 24. November 2007

Gelenkssymposium in Villingen Schwenningen wird Tradition
 
Fremdmaterialfreier Kreuzbandersatz erzielt sehr gute Langzeit-Ergebnisse
 
Arbeitskreis „Implantatfreier Kreuzbandersatz und biologische Optimierung" präsentiert sich
 
Am 23.und 24. November 2007 fand das 3. Gelenksymposium als Arthroskopie und Kreuzband-Workshop in Villingen Schwenningen statt.
Rund 200 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen an der inzwischen traditionellen Fortbildungsveranstaltung teil.
Neben dem fremdmaterialfreien – biologischen Kreuzbandersatz waren die Erkrankungen am Sprunggelenk Hauptthema. Den Veranstaltern Gernot Felmet, Friedrich Thielemann und Matthias Steinwachs war wichtig, ein aktuelles Update und somit eine chronologische Aufarbeitung der Thematik von der Anatomie und bildgebenden Technik über die Verletzungsmuster, der Kapsel, Band und Knorpelversorgung, Weichteilimpingement und Arthrosechirurgie bis hin zur Stellungskorrektur, endoprothetischen Gelenk erhaltenden Versorgung und Arthrodese wiederzugeben.
Im Hinblick auf die Weiterbildung des gemeinsamen neuen Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie wurden die Themen abgehandelt.
Nicht zu kurz kamen dabei auch die Fragestellungen aus der konservativen Behandlung und der Rehabilitation.
 
Rüdiger Birr aus Halberstadt wies auf die häufige Komplikation des Synovialisimpingement nach Distorsionstrauma, der konservativen und oft auch arthroskopisch operativen Versorgungsnotwendigkeit hin.
Das osteochondrale Dissekat am Talus lässt sich erfolgreich in 83% der Fälle mit Dissekat- Ausräumung und Pridiebohrung behandeln, wie Gernot Felmet aus Villingen Schwenningen in 10 Jahres- Ergebnissen nachweisen konnte. Neben der Knochenstimulation zeigt bei zentralen Defekten die Knorpelknochenzylinder-Transplantation gute Ergebnisse. Matthias Steinwachs aus Zürich (ehemals Freiburg) hat dazu eine keilförmige Eröffnung der ventralen Tibia über dem Defekt entwickelt, unter der es keine wesentliche Arthroseausbildung geben soll. Jörg Richter aus Markgröningen stellte eine von ihm entwickelte Ersatzplastik des Lig. fibulo talare anterius und fibulo talare posterius minimalinvasiv mit der Grazilissehne zur Versorgung schwerer Instabilitäten vor. Beide wiesen auf die Wichtigkeit stabiler Bandverhältnisse zur Arthroseprophylaxe hin. Thomas Buchhorn aus Straubing zeigte, dass neben dem anteromedialen und anterolateralen Zugang auch der zentrale Zugang seine Berechtigung hat. In speziellen Fällen favorisiert er den dorsalen Zugang mit dünneren Arthroskopen. Techniken zum arthroskopischen Arthrosemanagement wurden von Paul Hefner aus Baden-Baden präsentiert. Er zeigte, dass durch Ostephytenresektion, Gelenkkörperextraktion und Synovialektomie der Arthroseprogredienz erfolgreich entgegengetreten werden kann. 
Schwerere degenerative Veränderungen, die ursprünglich mit Arthrodese behandelt wurden lassen sich nunmehr mit zementfrei implantierten Sprunggelenksendoprothesen mit inzwischen guten mittelfristigen Ergebnissen behandeln. Wichtig ist jedoch auch die Überprüfung der Fehlstellung, die in der Vorplanung eine zentrale Rolle spielt und primär korrigiert werden sollte, führte Professor Neumann aus Magdeburg mit der Erfahrung von weit über 500 implantierten Prothesen aus. Dank der genügend eingeplanten Zeit konnten die Vorträge ausgiebig diskutiert werden.
 
Den Ausklang des ersten Tages bildete ein gemeinsames Abendessen und gemütliches Beisammensein begleitet von der Musik des David Fischer Quartetts im Restaurant des technisch wie architektonisch interessanten Gebäudes der Schwenninger BKK.
 
Der Folgetag startete mit einer Behandlungsstrategie bei Meniskus- und Knorpelverletzungen. Matthias Steinwachs wies neben dem Potenzial der Stammzellentechnologie für die Zukunft des Meniskusersatzes auf die Ergebnissituation der Knorpelknochenzylinder Transplantation, ACT und AMIC hin. Letztere imponiert auf der Basis des Microfracturing und Aufkleben einer Kollagenmembran die mit Hyaluronsäure angereichert ist. Bei der Fragestellung der Transplantatwahl zum vorderen Kreuzbandersatz beschrieb Hans Pässler neben einem historischen Abriss die Strukturvorteile der Quadrizepssehne. Die anatomische Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandersatzes mit der korrekten Insertion femoral und tibial wurde von Manfred Bernard aus Berlin insbesondere anhand der von ihm beschriebenen Quadranten Positionierung verdeutlicht. Dies sei die wichtigste Grundlage für einen erfolgreichen Kreuzbandersatz. Während Michael Jagodzinski aus Hannover Pressfit-Verankerungsqualität mit einer Stabilität analog bekannter Verfahren an In vitro Versuchen herausarbeitete wies Manfred Bernard daraufhin, dass wahrscheinlich viel weniger die primäre Stabilität der Verankerung als vielmehr ein gutes Transplantat in anatomisch korrekter Rekonstruktion die Grundlage für einen erfolgreichen Kreuzbandersatz sind. Auch seien Laboruntersuchungen nur sehr begrenzt in ihrem Aussagewert für die Übertragung auf das Operationsergebnis verwertbar. Als Vertreter der Implantatorientierten Verankerung des Kreuzbandersatzes stellte Jörg Richter aus Markgröningen seine fünf Jahresergebnisse nach vierfach Hamstring vorderer Kreuzbandersatzplastik mit gelenknaher Fixation mit IF-Schrauben dar. Seine guten Ergebnisse unterstreichen, dass eine Konditionierung des Transplantates (vordehnen) für einen stabilen Kreuzbandersatz nicht notwendig ist.
 
Der neu gegründete Arbeitskreis „Implantatfreier Kreuzbandersatz und biologische Optimierung" wurde von Peter Hertel aus Berlin mit einem historischen Abriss der Kreuzbandchirurgie unter spezieller Berücksichtigung der fremdmaterialfreien Verankerungstechnik vorgestellt. Der Arbeitskreis wurde auf Initiative von Gernot Felmet, Peter Hertel und Hans Pässler im letzten Jahr ins Leben gerufen. Ständige Mitglieder des Arbeitskreises sind: Manfred Bernard, Harald Boszotta, Gernot Felmet, Gunter Frenzel, Paul Hefner Peter Hertel, Michael Jagodzinski, Hans Pässler, Friedhelm Schmitz, Heinz Wuschech. Ziel des Arbeitskreises ist es, implantatfreie Verfahren zusammenzutragen und in ihrer Weiterentwicklung und Präsentation zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund wurde auch auf das Gelenksymposium im März 2008 in Hannover (www.gelenksymposium.de ) hingewiesen.
 
Als Erstbeschreiber der proximalen pressfit Verankerung 1986 präsentierte Peter Hertel seine sehr guten 10 Jahresergebnisse in einer offenen fremdmaterialfreien Operationstechnik mit Patellarsehne und zeigte die schrittweise Verbesserung und Verfeinerung seiner Operationstechnik über die Jahre. Gunter Frenzel gab in der Kooperation mit Heinz Wuschech, einem Mitbegründer der pressfit Verankerung, einen Rückblick auf über 2000 fremdmaterialfreie Kreuzbandplastiken in den letzten 10 Jahren mit guten Operationsergebnissen, besonders an Leistungssportlern. Er machte auch die wenigen Komplikationen, wie Infekte, Rerupturen und arthrotische Veränderungen transparent, wie sie in jeder gut geführten Statistik auftauchen.
Eine neue fremdmaterialfreie Double Bundle Rekonstruktion stellte Friedhelm Fritz aus Aachen für die Semitendinosussehne vor. Die Implantation erfolgt über einen suprakondylärer Zugang. Über diesen werden mit einem von ihm entwickelten Zielgerät retrograd die zwei Kanäle der proximalen Insertion angelegt. Es entsteht so eine Knochenbrücke. Die Semitendinosussehne wird über den suprakondylärer Zugang in zwei Schenkeln eingezogen und über die Knochenbrücke angespannt. Die ersten Ergebnisse sind ermutigend.
Hans Pässler stellte seine 9 Jahresergebnisse mit der von ihm entwickelten fremdmaterialfreien Verankerung in einem proximalen Sackloch mittels verknoteten Semitendinosus- und Grazilissehne und distaler pressfit Verankerung vor. Neben guten und stabilen Ergebnissen beschreibt er im Vergleich zur Patellasehne ein verbleibendes Beugedefizit bei der Verwendung von Hamstrings.
Das ALL PRESS FIT Verfahren mit Diamanthohlschleifen ist für Patellarsehne, Quadrizepssehne und Hamstring einsetzbar. Die guten Ergebnisse nach 10 Jahren für die Patellarsehne bestätigen die ebenfalls guten Ergebnisse von Peter Hertel für die pressfit Verankerung. Gernot Felmet sieht nach drei Jahren in seiner ALL PRESS FIT Technik für Semitendinosus und Grazilissehne ähnlich gute bis sehr gute Ergebnisse.  Die BOTTOM TO TOP Technik (BTT) unterscheidet sich zur herkömmlichen Fixation dadurch, dass das Transplantat von distal in den Tibiakanal eingezogen wird und am Tibiakopf gelenknah zuerst pressfit verankert wird. Danach wird bei 120° Knieflexion das Transplantat nach proximal angespannt und pressfit verankert. Durch Streckung des Kniegelenks wird das Transplantat in seine funktionelle Anspannung gebracht.
Robert Smigielski aus Warschau stellte die gute Perspektive und die ungefährliche Vorgehensweise für den Kreuzbandersatz an der Wachstumsfuge bei Kindern dar. Als Transplantat verwendete er die Semitendinosussehne, die er in der Mitte knotete und gedoppelt über ein Sackloch von proximal einzog und distal mit einem Staple unter der Wachstumsfuge fixierte. Er konnte 130 kindliche Patienten nach Jahren nachuntersuchen und gute Ergebnisse erzielen.
 
Die Rehabilitation bei fremdmaterialfreiem Kreuzbandersatz ist unkritisch. Je nach Autor wird eine Schonungsphase ein bis drei Wochen unmittelbar postoperativ eingehalten. Danach folgt ein zügiger Aufbau in die Vollbelastung und Muskelaktivierung. Gernot Felmet wies auf die Vorteile des propriozeptiven Vibrationstrainings hin, wie auch die Verlaufskontrolle des Muskelaufbaus des Musculus Quadrizeps anhand der von ihm beschriebenen Koordinations-Typen A bis D für den Vastus medialis.
 
In Liveoperationen präsentierten Jörg Richter, Peter Hertel, Hans Pässler und Gernot Felmet ihre Operationstechniken. Diese konnten in den Firmenworkshops von den Teilnehmern vertieft werden.
 
Die Veranstaltung blieb bis zum Schluss spannend und verlief in sehr angenehmer entspannter und kollegialer Stimmung. Der Saal blieb bis zum Ende gefüllt. Die Teilnehmer wurden mit dem Hinweis auf das Gelenksymposium im März in Hannover und das 4. Gelenksymposium in Villingen Schwenningen 2008 mit den Themen: Schulter, Meniskusmanagement bis zum Ersatz, PCL-Läsion und Kreuzbandrevision verabschiedet.
 
30.11.2007
 
Für den Arbeitskreis
„Implantatfreier Kreuzbandersatz und biologische Optimierung“
Dr. Gernot Felmet

 

 

 

 

 

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